Termine

trojanowLesung und Gespräch mit Ilija Trojanow

11. Juli 2017 um 19:30 Uhr
Wolkenstein-Saal im Kulturzentrum am Münster Konstanz
Einführung & Gespräch: Judith Zwick
Tickets: 10,-/14 € unter info@raum3.info, in der Stadtbücherei Konstanz oder an der Abendkasse

Eine gemeinsame Veranstaltung von RAUM³ und der Stadtbücherei Konstanz.

»Es gibt ein Leben nach der Flucht, doch die Flucht wirkt fort, ein Leben lang.« Ilija Trojanow ist als Kind zusammen mit seiner Familie aus Bulgarien geflohen, eine Erfahrung, die ihn bis heute nicht mehr los lässt. Virtuos, poetisch und klug reflektierend erzählt Ilija Trojanow von seinen eigenen Prägungen als lebenslang Geflüchteter. Von der Einsamkeit, die das Anderssein für den Flüchtling tagtäglich bedeutet. Davon, wie wenig die Vergangenheit des Geflüchteten am Ort seines neuen Daseins zählt. Was das Existieren zwischen zwei Sprachen mit ihm macht. Welche Lügengeschichten man als Geflüchteter den Daheimgebliebenen auftischt. Und dass man vor der Flucht wenigstens wusste, warum man unglücklich war.

Ilija Trojanow erzählt von sich selbst, zugleich ist er eine exemplarische Figur. So gelingt ihm eine behutsame und genaue Topographie des Lebens nach der Flucht, das existentielle Porträt eines Menschenschicksals, das unser 21. Jahrhundert bestimmt.

Einführung und Moderation des Abends: Judith Zwick.

 Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Integrationsbeauftragten und dem Flüchtlingsbeauftragten der Stadt Konstanz  sowie mit freundlicher Unterstützung des Kulturbüros der Stadt Konstanz statt. Die Getränke-Einnahmen des Abends gehen an Café Mondial Konstanz e.V.      

 Autor: Ilija Trojanow in London, April 2015. Foto: Thomas Dorn.

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Ilija Trojanow, geboren 1965 in Sofia, floh mit seiner Familie 1971 über Jugoslawien und Italien nach Deutschland, wo sie politisches Asyl erhielt. 1972 zog die Familie weiter nach Kenia. Unterbrochen von einem vierjährigen Deutschlandaufenthalt lebte Ilija Trojanow bis 1984 in Nairobi. Danach folgte ein Aufenthalt in Paris. Von 1984 bis 1989 studierte Trojanow Rechtswissenschaften und Ethnologie in München. Dort gründete er den Kyrill & Method Verlag und den Marino Verlag. 1998 zog Trojanow nach Bombay, 2003 nach Kapstadt, heute lebt er, wenn er nicht reist, in Wien. Seine bekannten Romane wie z.B. ›Die Welt ist groß und Rettung lauert überall‹, ›Der Weltensammler‹ und ›Eistau‹ sowie seine Reisereportagen wie ›An den inneren Ufern Indiens‹ sind gefeierte Bestseller und wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Zuletzt erschienen bei S. Fischer sein großer Roman ›Macht und Widerstand‹ und sein Sachbuch-Bestseller ›Meine Olympiade: Ein Amateur, vier Jahre, 80 Disziplinen‹.


WORT-Performance mit Michael Fehr: Glanz und schatten

7. Oktober 2017 um 20:00 Uhr
Gewölbekeller im Kulturzentrum am Münster Konstanz
Moderation: Judith Zwick
Tickets: 8,-/10 € unter info@raum3.info

In Kooperation mit dem Kulturbüro Konstanz

Michael Fehr

Michael Fehr ist Erzähler. Ein Schriftsteller, der nicht schreibt. Seine Buchpublikationen heißen Kurz vor der Erlösung und Simeliberg, Glanz und Schatten. Aus einigen seiner Geschichten macht er zusammen mit dem Gitarristen und Komponisten Manuel Troller Musik, und er ist die Stimme auf dem Musikalbum Bruxelles des Pianisten und Komponisten Simon HoEr studierte am Schweizerischen Literaturinstitut und am Y Institut der Hochschule der Künste Bern 2007 – 2012.

Foto: Affolter Savolainen

100148_GIRM_mMichael Fehr: Glanz und Schatten. Erzählungen
Der gesunde Menschenversand, 2017

Nach der Kriminalgeschichte “Simeliberg” kommen Michael Fehrs Texte diesmal “im Schwarm”: In 18 Erzählungen führt der Autor virtuos vor, welch überwältigende Sprach- und Klangbilder eine Literatur hervorbringen kann, die kompositorische Prinzipien wie Repetition und Variation in unterschiedlicher Strenge anwendet.

Im Zentrum der Erzählungen stehen Menschen, Tiere, Orte und Gegenstände, die eine Metamorphose erfahren. Ihrem Charakter, ihrem Bewusstsein, ihren Beziehungen oder ihrer physischen Gestalt widerfahren existenzielle Wandel: Ein Rebhuhn wird nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen, eine wilde Studentin fantasiert ihr zukünftiges Leben zwischen Ekstase und Ruhe, der Teufel langweilt sich auf der Welt. Ein Mann kämpft mit einem Mückenschwarm, ein Mann und eine Frau kümmern sich in ihrem Häuslein um nichts und niemand, oder der Architekt des Turmes zu Babel sieht seinen Traum in sich zusammenfallen.

Immer zeigt sich in Fehrs Sprachwerken im Handfesten das Filigrane, im Zarten das Gewaltige, im Schatten der Glanz – und selten ist man sich sicher, was Schein ist, was Sein.

Die Erzählung “Geschichte ist Geschichte” ist neu zu hören und zu lesen auf Lyrikline